Die Sauterelles Story

Aus zwei Absagen entsteht eine Band

1962

Da stehen am 19. September 1962 im Vorraum zum Radio-Studio Brunnenhof in Zürich zwei Studenten aus der französischen Schweiz, die in Zürich studieren. Sie haben sich der Musik der Shadows verschrieben und da zappelt auch Toni Vescoli herum, der «Kleine Elvis». Sie sind erschienen, um an der Vorausscheidung für ein Gitarren-Festival in Lausanne teilzunehmen. Sie haben kaum eine Chance. Die «Mini-Shadows» sind keine ganze Gruppe, sondern bloss zu zweit und Tonis Hüftschwung wird auf dem Tonband wohl kaum so richtig zur Geltung kommen.

Man fiebert aufgeregt seinem Einsatz entgegen und unterhält sich dabei. Toni ist begeistert, jemanden zu treffen, der diese neue Gitarren-Musik spielen kann. Die beiden anderen finden es toll, in ihm einen modernen Sänger kennen zu lernen und als Toni erzählt, er hätte bereits einen Drummer an der Hand, werden Telefonnummern und Adressen ausgetauscht und schon bald wird bei Drummer François Garzoni zuhause im Keller geprobt.

Wir brauchen einen zündenden Namen!

«Wie wäre es mit: LES SAUTERELLES», meint einer der beiden Romands. «Was heisst das auf Deutsch?», will man wissen. «Hüpfer, Gras-Hüpfer oder so ungefähr!» «Ah, Heuschrecken!», präzisiert Toni. «Finde ich super, passt gut zu den zirpenden, schrillen Gitarren-Tönen». «Ja und klingt irgendwie exotisch», meint François.

Also - die Band ist geboren, die Ideen sind da, der Name auch, aber die beiden Studenten aus der Romandie wollten ja eigentlich nur sporadisch etwas Musik machen und nicht konzentriert auf ein Ziel hinarbeiten und so löst sich diese erste Sauterelles-Formation schon nach den ersten Proben wieder auf. Etwas schmerzlich, doch in bestem Einvernehmen. Toni darf den Band-Namen, der ihm so gut gefällt, behalten. Es ist klar, dass man nach anderen Musikern Ausschau halten will.

(An dieser Stelle möchte sich Toni Vescoli in aller Form dafür entschuldigen, dass die Namen der beiden Gitarristen aus der französischen Schweiz nie genannt wurden. Der Grund ist ganz einfach: Toni weiss ihre Namen nicht mehr und hat von ihnen auch nie mehr etwas gehört. Vielleicht ergibt sich auf diesem Wege von irgend jemandem ein Hinweis! Toni wäre froh, die Liste der ehemaligen Bandmitglieder vervollständigen zu können, auch wenn diese beiden nur so kurz dabei waren aber sie gehörten immerhin zu den ersten und hatten die Idee für den Namen „LES SAUTERELLES“.)

Bassist und Lead-Gitarrist gesucht!

Schlagzeuger François Garzoni und Sänger/Rhythmus-Gitarrist Toni Vescoli brauchen also einen neuen Lead-Gitarristen und jemanden, der Bass spielt, am liebsten Bass-G i t a r r e! Toni denkt zuerst an seinen Gewerbeschule-Kumpel Peter Frey. Dieser ist im ersten Moment nicht abgeneigt, aber als ihm Toni eröffnet, dass er seine «Grossmutter» zuhause lassen und sich stattdessen eine Bass-Gitarre zulegen sollte, ist er nicht mehr zu überzeugen. Er ist sowieso eher Jazz orientiert und hat sich dann später in dieser Sparte auch einen bedeutenden Namen gemacht.

Auch die Suche nach einem Lead-Gitarristen erweist sich als problematisch. Am «Schwarzen Brett» in einem Musikgeschäft mit Angeboten von Musiklehrern «hängt» da unter all den Jazz-Angeboten ein gewisser Toni Quero, der Schüler sucht, die sich im Spielen von «instrumentaler Gitarren-Musik im Stile der Shadows» unterrichten lassen wollen.

«Das ist doch genau der Richtige!», denkt sich Vescoli und ruft an. Doch Schüler, die fortgeschritten genug wären, um in einer Band Lead-Gitarre zu spielen, hat Quero keine, aber er würde gerne selber mitmachen. «Es gibt da allerdings einen Haken, ich bin schon 27 Jahre alt!» Vescoli findet das eigentlich «nicht so schlimm». Toni Quero ist bei den Sauterelles dabei und Toni Vescoli hat endlich Gelegenheit, von kompetenter Seite die richtigen Gitarren-Griffe zu erlernen.

Fehlt also «nur» noch ein Bass-Gitarrist. Toni Q. bringt Günter Sohr zur Truppe, der allerdings nicht Bass-Gitarre spielt, aber eventuell dafür in Frage käme. Günter spielt erst einmal die «zweite Gitarre», so dass Toni nicht immer ein Instrument in den Händen halten muss und dafür mehr «Show» machen kann.

Aber noch immer fehlt ein Bass-Gitarrist! Peter Furrer hilft vorerst einmal aus, sagt aber im vornherein, dass er andere Pläne hat. Für den Moment ist Toni zufrieden: der Sound ist perfekt. Im Jugend-Zentrum Bachwiesen dürfen sie proben und treten als Gegenleistung an Partys auf. Das Publikum flippt aus!

Endlich ein «fester» Bassist

Otto Ritschard, der Freund von Toni Vescolis Schwester Vera, ist sehr daran interessiert, bei den Sauterelles als Bassist einzusteigen. Es gibt nur ein ganz kleines Problem: Er hat noch nie eine Gitarre in der Hand gehabt, geschweige denn eine Bass-Gitarre. Er verdient aber genug Geld, um sich eine solche kaufen zu können. Gitarrenlehrer Toni Quero bringt ihm Ton für Ton all die Bassläufe bei, die bekanntlich bei der Musik der Shadows zu den festen Bestandteilen der Arrangements gehören. Schon bald wird Otto ins kalte Wasser geworfen.

Profi-Pläne und Sängerin Vera

1963

Es ist inzwischen Frühling 1963 geworden. Toni Vescoli meistert mit Bravour seine Prüfung als Hochbauzeichner und muss im Sommer in die Rekruten-Schule. Seine Pläne, Innenarchitektur zu studieren, hatte er eigentlich schon vor einer Weile fallen gelassen: Er will mit seinen Sauterelles ins Profi-Lager wechseln. Günter Sohr will auf seinem Beruf als Autosattler weiterarbeiten und leider hat auch François Garzoni keine Lust, seine kaufmännische Weiterbildung gegen das unsichere Leben eines Profi-Musikers zu tauschen.

Also muss Vescoli Gitarren-mässig «an die Säcke» und für François ein Ersatz gefunden werden. Toni Quero bringt Otto Bumbacher in die Band, die nun mit zwei Ottos und zwei Tonis wieder komplett ist.

Toni Vescolis Schwester Vera möchte als Sängerin bei den Sauterelles einsteigen. Vera hat genug von ihrem Job als Nightclub-Tänzerin und Otto ist sehr eifersüchtig. Zudem hat sich Veras Agent bereit erklärt, für die Sauterelles Engagements zu vermitteln. Toni, der seine Elvis-Locken schneiden musste und in Genf seine RS absolviert, kommt, wann immer er Urlaub hat, nach Zürich, um mit seiner Band zu proben. Nach der RS soll es so richtig losgehen!

Das erste Profi-Engagement

Am 26. Dezember 1963 ist es endlich so weit: Die Sauterelles starten ihr erstes Profi-Engagement. Ein Wochen-Engagement mit Verlängerungs-Möglichkeit um weitere zwei Wochen, in Laax, im Provisorium der «Chesa Veglia». Leider fehlt der Schnee und damit auch das Publikum und so fährt man am 1. Januar wieder nachhause.

1964

Dies bedeutet also in erster Linie: wieder arbeiten, damit man etwas zu beissen hat. Am Morgen wird gearbeitet und am Nachmittag geprobt. Bald schon sind weitere Engagements angesagt, ausgelöst vor allem durch den cleveren Schachzug ihres Impresarios, der für Les Sauterelles einen zusätzlichen Namen erfindet: «The Swiss Beatles». Toni Vescoli ärgert sich zwar masslos darüber, zumal der «Über-Name» auf den Plakaten grösser gedruckt wird als Les Sauterelles und das Repertoire der Band gerade mal zwei Songs der Beatles enthält!

Doch Hauptsache, man kann endlich voll profimässig unterwegs sein. Ab jetzt gibt es kaum mehr einen freien Tag. Man spielt hier eine Woche, dort zwei und an anderen Orten gar einen ganzen Monat lang. Oft auch als «Attraktions-Orchester» neben der «Haus-Band».